Tuberkulose – warum sie auch heute noch Thema ist
veröffentlicht am 24.03.2026
Tuberkulose gilt oft als Krankheit aus vergangenen Zeiten. Tatsächlich kommt sie aber weltweit noch immer vor.
Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jedes Jahr rund 10 Millionen Menschen an Tuberkulose. In Österreich wurden im Jahr 2024 etwa 400 Erkrankungen gemeldet. Die Infektionskrankheit entwickelt sich meist langsam und betrifft vor allem die Lunge. In Ländern mit schlechten Lebensbedingungen und einem schwach ausgebauten Gesundheitssystem kann Tuberkulose unbehandelt tödlich verlaufen. Auch wenn sie in Österreich selten ist, bleibt sie ein wichtiges Thema für den Gesundheits- und Verbraucherschutz.
Ausgelöst wird Tuberkulose durch bestimmte Bakterien aus dem sogenannten Mykobakterium-tuberculosis-Komplex. Menschen können sich gegenseitig anstecken, vor allem über die Atemluft bei engem Kontakt.
Tuberkulose als Zoonose
Tuberkulose kann nicht nur zwischen Menschen übertragen werden. Auch eine Übertragung zwischen Mensch und Tier ist möglich – und zwar in beide Richtungen. Krankheiten, die zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können, nennt man Zoonosen.
Für Konsument:innen ist dabei vor allem die Rindertuberkulose von Bedeutung. Sie kann in seltenen Fällen vom Tier auf den Menschen übertragen werden, wie etwa durch engen Kontakt oder durch den Konsum von infizierter Rohmilch. Diese sollte daher vor dem Trinken immer abgekocht werden, da durch das Erhitzen mögliche Krankheitserreger zuverlässig abgetötet werden. So lässt sich eine Ansteckung einfach und wirksam vermeiden.
Rindertuberkulose – Warum Vorsorge wichtig ist
Die Europäische Kommission hat den gesamten österreichischen Rinderbestand im Jahr 2003 als frei von Tuberkulose anerkannt. Dieser Status ist bis heute aufrecht. In Westösterreich ist jedoch Rotwild, welches mit dem Erreger der Rotwildtuberkulose, Mycobacterium caprae infiziert ist, wiederholt Ansteckungsquelle für Rinder.
Damit es gar nicht erst zu Ansteckungen kommt, gibt es in Österreich ein Überwachungs- und Bekämpfungsprogramm für Rinder und Rotwild. Dazu gehören unter anderem jährliche verpflichtende Untersuchungen der Rinder in Gebieten mit Rotwildtuberkulose und sorgfältige Kontrollen bei der Schlacht- und Fleischuntersuchung in allen österreichischen Schlachthöfen.
Neue Methoden im Labor
Moderne Forschung unterstützt diese Schutzmaßnahmen zusätzlich. Heute ist es möglich, das gesamte Erbgut von Tuberkulosebakterien genau zu untersuchen. Diese Methode nennt man Ganzgenomsequenzierung. Das Erbgut von Tuberkulosebakterien verändert sich im Laufe der Zeit. Mit der Methode der Ganzgenomsequenzierung kann das Erbgut von Tuberkulosebakterien verschiedener infizierter Tiere miteinander verglichen werden. Je ähnlicher das Erbgut ist, desto eher stehen die Bakterien miteinander in Verbindung (Verwandtschaft).
Zusammen mit Informationen wann und wo das jeweilige Tier gelebt hat, können wertvolle Rückschlüsse gezogen werden. Es gelingt Ausbruchsquellen zu identifizieren, Infektionsketten aufzuklären und Übertragungswege nach zu vollziehen. Vor allem im Hinblick auf die weiten und vielen Wege, die manche Rinder zurücklegen, sei es auf Almen, Weiden, bei Ausstellungen oder zum Verkauf, sowie die Wanderungen des Rotwildes, kann durch diese Methode die Ausbreitung des Erregers sehr genau nachverfolgt, und Ansteckungswege besser zurückverfolgt werden.
So trägt moderne Forschung dazu bei, die bestehenden Überwachungs- und Bekämpfungsmaßnahmen weiter zu optimieren und so die Gesundheit von Menschen und Tieren in Österreich langfristig zu schützen.